Reinschnuppern in den Berufsalltag (KN, 16.03.2010)

16. März 2010

Aus den Kieler Nachrichten vom 16.03.2010:

„Lütjenburg – Dass Schüler weiterführender Schulen kurz vor dem Abschluss Praktika absolvieren und in verschiedene Berufsfelder hineinschnuppern, ist längst gängige Praxis. An der Hauptschule des Lütjenburger Schulzentrums wurde jetzt zusätzlich erfolgreich ein von Miriam Reimers organisiertes Kooperationsmodell mit der Kreishandwerkerschaft Ostholstein getestet.

Das Besondere an dieser Zusammenarbeit: Schulleiter Ulrich Lerche hatte drei erfahrene Praktiker dafür gewinnen können, in die Hauptschule zu kommen und mit den Mädchen und Jungen der achten Klassen jeweils eine Woche lang praktische Ausbildung unter nahezu realistischen Bedingungen zu übernehmen.

Malermeister Peter Rumohr aus Laboe, der 17 Jahre lang Obermeister der Innung gewesen war und jetzt bereits seit sechs Jahren den Ruhestand genießt, war begeistert vom Engagement der Jugendlichen. „Sie sind sehr kreativ und haben die Wandbemalung mit Schmetterlingen, Fischen und Blumen nahezu vollständig selbst gestaltet“, freute er sich. Er selbst hatte nur für die richtige Grundierung der Säulen in den Klassenräumen gesorgt und für das theoretische Grundwissen gesorgt. Danach ließ er die Praktikanten einen Tag lang zeichnen, danach Schablonen der Motive fertigen und diese dann mit feinem Pinselstrich übertragen. Ein wenig Hilfestellung hatte er noch beim Aufzeichnen einer großen Kompassrose im Flur geleistet.

Zusätzlich hatte Schulleiter Lerche noch einen Tag lang den Lütjenburger Malermeister André Tietze eingeladen. Er verriet den Schülern ganz offen, welche Anforderungen er an künftige Auszubildende stellt: Pünktlichkeit, Ordnung, Höflichkeit und Sauberkeit. „Den Jugendlichen war danach klar, dass sie bei der Vorstellung meist nur eine Chance haben. Und die dürfen sie nicht leichtfertig verspielen“, betonte Ulrich Lerche.

Ähnliche Erfahrungen von einem künftigen Berufsalltag bekamen auch die Schüler zweier anderer Gruppen vermittelt. Wiebke Bähr führte in der Schulküche Regie und animierte ihre Praktikantinnen und Praktikanten dazu, täglich für alle ein Drei-Gänge-Menü zu kochen. Das lukullische Angebot reichte von Pizza und Auflauf bis zu Spaghetti, von verschiedenen Suppen bis zu Salat und Milchreis. „Wir haben versucht, dabei alle Grundzubereitungsformen wie Kochen, Backen, Braten oder Dünsten anzuwenden“, erzählte sie. Natürlich musste die Kochgruppe vorher gemeinsam die Zutaten einkaufen und auch den Speiseplan erstellen, bis hin zum Frühstücksbuffet am Abschlusstag.

Elisabeth Paesler betreut normalerweise Kurse von Erwachsenen. Doch auch der Umgang mit den jungen Leuten brachte der Dozentin der Kreishandwerkerschaft sichtlich Spaß. Sie hatte die Aufgabe übernommen, den Themenbereich „Lager, Handel und Verkauf“ unter Praxisbedingungen zu erarbeiten. Konkret ging es für die Gruppe darum, einen Kiosk zu betreiben. „Trainiert wurden Einkauf und Verkaufsgespräche ebenso wie das Kassieren und das Eingeben von Preisen. Es gehörten auch das Ausfüllen von Lieferscheinen und Bestelllisten, Pakete packen und Warenannahme dazu“, berichtete sie.

Die Bilanz der Schüler nach dieser anstrengenden Woche sei sehr unterschiedlich ausgefallen. „Für einige stand schnell fest: Das ist nichts für mich. Andere waren froh über die vielfältigen Erkenntnisse. Und es gab auch Schüler, die ganz offen feststellten: Die Schule lohnt sich.“ Peb“

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben


Impressum - Datenschutz

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen